Freiburg im Breisgau


Ausbildungs- und Prüfungsordnung
für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten

(AprO) nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG)
Stand: 2016


Die Ausbildung am Psychoanalytischen Seminar Freiburg erfüllt mit der vertieften Ausbildung in psychoanalytisch begründeten Verfahren (analytische und tiefen-psychologisch fundierte Psychotherapie) das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) und seine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (PsychTh-APrV).
Sie bietet Psychologen (Diplom / Master) die erforderliche Qualifikation für die Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten mit vertiefter Ausbildung in analytisch begründeten Verfahren (tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie).
Die Ausbildung am Psychoanalytischen Seminar Freiburg kann in der praktischen Tätigkeit (erster Ausbildungsabschnitt) als Vollzeitausbildung erfolgen; in den übrigen Teilen ist sie Teilzeitausbildung.
Die Gesamtdauer der Ausbildung beträgt mindestens sechs Jahre.


1. Allgemeine Ausbildungsbestimmungen

Für die Ausbildung von Psychologen (Diplom / Master) zu Psychologischen Psycho-therapeuten gilt die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung gem. § 8 des Psychotherapeutengesetzes in der jeweils gültigen Fassung.

Die Ausbildungsteilnehmer erhalten schriftliche Bescheinigungen über die Teilnahme an Unterrichtsveranstaltungen, über Erstinterviews und Supervisionen, etc., mit denen sie ihre Ausbildung dokumentieren und belegen.

2.    Zulassung zur Ausbildung

2.1    Voraussetzungen
2.1.1. Als Wissenschaftliche Vorbildung für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten ist (gemäß § 5 Abs. 2 Nr. 1a PsychThG) eine im Inland an einer Universität oder gleichstehenden Hochschule bestandene Abschluss-prüfung im Studiengang Psychologie, die das Fach Klinische Psychologie einschließt, erforderlich.
2.1.2.     Ausländische Bewerber bedürfen entsprechender Hochschulabschlüsse.
2.1.3.    Über die persönliche Eignung befindet der Ausbildungsausschuss aufgrund der Ergebnisse von mindestens 3 Bewerbungsinterviews.
2.2.    Zulassungsverfahren
Anträge auf Zulassung zur Ausbildung sind an den Leiter des Ausbildungsausschusses am Institut zu richten. Mit Antragstellung und der Überweisung der Bewerbungs-gebühr leitet der Bewerber das Zulassungsverfahren ein.
Aus der Liste der Lehranalytiker wählt er sich drei Interviewer für seine Bewerbungs-gespräche.
Nach Abschluss der Interviews berät und entscheidet der Ausbildungsausschuss über die berufliche und persönliche Eignung des Bewerbers. Die Entscheidung wird ihm schriftlich mitgeteilt.
Es besteht kein Rechtsanspruch auf Zulassung. Ablehnungen können mit dem Leiter des Ausbildungsausschusses besprochen werden.


3.    Ausbildungsverhältnis

3.1.    Beginn
Die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten beginnt nach dem Bescheid über die Zulassung jeweils zum 01.04. (Sommersemester) und zum 01.10. (Winter-semester) des Jahres.
Als erste Ausbildungseinheit ist in der Regel die praktische Tätigkeit aufzunehmen.
3.2.    Das Institut verpflichtet sich,
die Ausbildung gemäß seiner Ausbildungs- und Prüfungsordnung durchzuführen und Selbsterfahrungs- und Supervisionsplätze sowie Ausbildungsplätze für die Praktische Tätigkeit von Psychologen (Diplom / Master) bereitzustellen.
3.3.    Der Ausbildungsteilnehmer verpflichtet sich per Unterschrift auf dem Ausbildungs-vertrag
•   zur Anerkennung dieser Ausbildungs- und Prüfungsordnung mit Beginn seiner Ausbildung
• keine Krankenbehandlungen ohne Supervision vor dem berufsrechtlichen Abschluss seiner Ausbildung durchzuführen
•   zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung vor Beginn des Erstinterview-praktikums
•   zur Einhaltung der Schweigepflicht.
3.4.    Unterbrechungen der Ausbildung
        regelt der § 6 (1) der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (PsychTh-APrV).
3.5.    Vorzeitige Beendigung der Ausbildung
Ausbildungsteilnehmer können das Ausbildungsverhältnis mit dreimonatiger Frist zum Beginn des nächsten Semesters schriftlich kündigen.
Das Institut kann aus gewichtigen Gründen (Verstoß gegen die Ausbildungsordnung, Bedenken hinsichtlich der persönlichen Eignung) das Ausbildungsverhältnis schriftlich kündigen.


4.    Verlauf der Ausbildung

4.1.    Selbsterfahrung
Die Lehranalyse ist Grundlage und zentraler Bestandteil der Ausbildung. Sie vermittelt die erforderliche Selbsterfahrung in der psychoanalytischen Grundmethode, von der sich alle Modifikationen psychoanalytisch begründeter Behandlungstechnik ableiten.
Der Ausbildungsteilnehmer wählt sich aus dem Kreis der für Lehranalysen ermächtigten Mitglieder des Institutes seinen Lehranalytiker aus. Dabei dürfen zwischen dem Ausbildungs-teilnehmer und seinem Lehranalytiker keine verwandt-schaftlichen Beziehungen und keine wirtschaftlichen oder dienstlichen Abhängigkeiten bestehen.
Die Lehranalyse findet in mindestens 3 Sitzungen pro Woche von mindestens 45 Minuten Dauer statt. Sie begleitet die Ausbildung und umfasst mindestens 300 Stunden.
Beginn, evtl. Unterbrechungen und Ende der Lehranalyse müssen dem Leiter des Ausbildungsausschusses vom Lehranalytiker und dem Ausbildungsteilnehmer schriftlich mitgeteilt werden.
4.2.    Die Praktische Tätigkeit
ist im ersten Ausbildungsabschnitt zu erbringen. Sie umfasst mindestens
1200 Stunden an einer psychiatrischen klinischen Einrichtung sowie
600 Stunden an einer Einrichtung der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung, in der Praxis eines Arztes mit ärztlicher Weiterbildung in der Psycho-therapie oder eines Psychologischen Psychotherapeuten.
Die praktische Tätigkeit ist in Abschnitten von mindestens 3 Monaten abzuleisten.
Während der praktischen Tätigkeit in der psychiatrischen klinischen Einrichtung sind die inhaltlichen Anforderungen des § 2 Abs. 3 PsychTh-APrV zu erfüllen.
4.3.    Theoretische Ausbildung
Die theoretischen Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Seminare, Übungen und Praktika) vor Beginn der praktischen Ausbildung wiederholen sich turnusmäßig, so dass die Möglichkeit für einen Einstieg in jedem Semester (vgl. 3.1) gegeben ist. Die theoretischen Lehrveranstaltungen ab dem Beginn der praktischen Ausbildung verteilen sich kontinuierlich über mehrere Jahre, so dass die Möglichkeit zum Durch-laufen von insgesamt 600 Unterrichtsstunden aufeinander aufbauender Lehr-veranstaltungen in mind. 6 Jahren gegeben ist (siehe Curriculum).
Die Grundlagen und der gegenwärtige Erkenntnisstand der Psychoanalyse bilden den Schwerpunkt der Ausbildung. Darüber hinaus enthält das Curriculum alle verbindlichen Inhalte der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zum Psycho-therapeutengesetz.
4.3.1.    Inhalt der theoretischen Ausbildung
Die Inhalte der theoretischen Aus- und Weiterbildung sind im Curriculum des Psychoanalytischen Seminars Freiburg festgelegt.
Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an Vorlesungen, Seminaren und Übungen muss durch Bescheinigungen belegt werden.
4.3.2.    Erstinterviewpraktikum
Vor Beginn der praktischen Ausbildung muss der Ausbildungsteilnehmer im fortlaufenden Erstinterviewpraktikum die Fähigkeit zur psychoanalytischen Erstuntersuchung, Anamneseerhebung, Diagnostik, Indikationsstellung, Fall-konzeptualisierung und Prognostik erworben haben.
Über die Zulassung zum Erstinterview-Praktikum (Teilnahme an der Ambulanz) und zum Technisch-Kasuistischen Seminar (s. Abschnitt 4.4.3.4.) entscheidet der ÖAA-Vorsitzende. In der Regel wird hierfür eine Selbsterfahrung (Lehranalyse) von einem Jahr vorausgesetzt.
4.4.    Praktische Ausbildung
Der Ausbildungsausschuss entscheidet über die Zulassung zur praktischen Ausbildung.
4.4.1.    Zulassung zur praktischen Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter Psycho-therapie
Voraussetzung ist die regelmäßige Teilnahme am Erstinterviewseminar sowie 10 schriftlich dokumentierte und supervidierte Erstinterviews.
4.4.2.    Die Zulassung zur praktischen Ausbildung in analytischer Psychotherapie wird durch eine Zwischenprüfung geregelt (s.5.1). Voraussetzung für die Zwischen-prüfung ist die regelmäßige Teilnahme am Erstinterviewseminar sowie 20 schriftlich dokumentierte und supervidierte Erstinterviews.
4.4.3.        Inhalt und Umfang der praktischen Ausbildung
4.4.3.1.    Die Krankenbehandlung
Unter Supervision der dafür ermächtigen Supervisoren des Psycho-analytischen Seminars sind mindestens 6 Patientenbehandlungen in mindestens insgesamt 1000 Behandlungsstunden durchzuführen, davon mindestens 400 Behandlungsstunden in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie (LZT, KZT, Fokaltherapie oder Krisenintervention) und mindestens 600 Behandlungsstunden in analytischer Psychotherapie, wovon 2 analytische Behandlungen jeweils mindesten 250 Behandlungs-stunden erreicht haben müssen;
4.4.3.2.    Dokumentationspflicht
Die während der Ausbildung durchgeführten und supervidierten Behandlungen müssen vom Ausbildungsteilnehmer regelmäßig schriftlich dokumentiert werden. Die Aufzeichnungen der Behandlungsstunden dienen auch als Grundlage für die Supervisionen.
4.4.3.3.    Supervision
Alle von den Ausbildungsteilnehmern durchgeführten Krankenbehandlungen müssen von den für die verschiedenen Verfahren vom Institut ermächtigten Supervisoren in ausreichender Frequenz (nach jeweils 3-4 Behandlungsstunden) supervidiert und bescheinigt werden. So ergeben sich insgesamt ca. 250 Supervisionsstunden, von denen mindestens 150 Stunden als Einzel-supervisionen durchzuführen sind.
Die Supervisionen sind bei mindestens drei Supervisoren abzuleisten.
Nach Beendigung der Supervisionen geben die Supervisoren Supervisions-berichte an den Ausbildungsausschuss.
4.4.3.4.    Technisch-Kasuistisches Seminar
Die Teilnahme am Technisch-Kasuistischen Seminar ist kontinuierlich erforderlich und muss bescheinigt sein. Eine Ausnahme hiervon gilt, wenn der eigene Lehranalytiker das TKS leitet. Zur Zulassung zum TKS vgl. 4.3.2.
4.4.4.        Behandlung im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung
Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung können im Rahmen der Ausbildung unter Beachtung der rechtlichen Bestimmungen behandelt werden. Diese Bestimmungen werden regelmäßig in einer speziellen Lehrveranstaltung vermittelt
4.4.5.        Schriftliche Falldarstellungen
Während der praktischen Ausbildung sind sechs anonymisierte schriftliche Falldarstellungen über eigene supervidierte Behandlungen zu erstellen. Diese müssen mindestens eine analytische Psychotherapie von mindestens 250 Stunden und mindestens eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als KZT oder LZT beinhalten.
Diese Falldarstellungen müssen vor der Abschlussprüfung vom Institut als Prüfungsfälle angenommen worden sein.
Die inhaltlichen Anforderungen regelt § 4 (6) der PsychTh-APrV.


5.    Prüfungen

5.1.    Zwischenprüfung
In der Zwischenprüfung werden das bisher erworbene Wissen und insbesondere die Befähigung zur psychoanalytischen Arbeit unter Supervision geprüft. Die Zwischen-prüfung des Instituts wird von einem Prüfungsausschuss abgenommen, der vom Ausbildungsausschuss jeweils einberufen wird.
Legt ein Teilnehmer das Vorkolloquium der DPV ab (Prüfung mit anderen regionalen Instituten der DPV) wird dies als Zwischenprüfung anerkannt.
Das Bestehen der Zwischenprüfung ist Voraussetzung für die Durchführung von analytischer Psychotherapie.
5.1.1.        Voraussetzung für die Anmeldung zur Zwischenprüfung
Bei der Anmeldung zur Zwischenprüfung müssen dem Leiter des Ausbildungs-ausschusses 20 schriftliche Berichte supervidierter Erstinterviews vorgelegt werden, die durch Supervisoren autorisiert sind. Um zur Anmeldung gezählt zu werden, muss ein Bericht spätestens zwei Monate nach dem Interview beim Supervisor eingegangen und von diesem akzeptiert worden sein.
5.2.    Staatliche Prüfung
Über die Zulassung zur staatlichen Prüfung entscheidet die zuständige Landesbehörde auf Antrag des Prüflings entsprechend § 7 PsychTh-APrV. Die Prüfungsmodalitäten regeln die §§ 8 ff der PsychTh-APrV.
Der Ausbildungsausschuss entscheidet mit einfacher Mehrheit über die Befürwortung des Antrags auf Zulassung zur staatlichen Prüfung.
5.3    Anmeldungs- und Zulassungsverfahren
Für die schriftliche Anmeldung zur Zwischenprüfung und die Beantragung der Befürwortung des Antrags auf Zulassung zur staatlichen Prüfung müssen die jeweils erforderlichen Leistungen durch Bescheinigungen nachgewiesen werden und die schriftlichen Beurteilungen der Supervisoren dem Ausbildungsausschuss des Instituts vorliegen.
Der jeweilige Antrag kann in der folgenden Sitzung des Ausbildungs-ausschusses behandelt werden, wenn der Antrag mit den voll-ständigen Unterlagen spätestens 3 Wochen vorher beim Leiter des Ausbildungsausschusses eingegangen ist. Der Ausbildungsausschuss entscheidet nach eingehender Beratung mit einfacher Mehrheit seiner anwesenden Mitglieder über die Zulassung.


6.    Abschluss der Ausbildung


Die Ausbildung endet mit dem Bestehen der staatlichen Prüfung nach den Bestimmungen der PsychTh-APrV.